Mai 30, 2024

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In Deutschland hat ein bundesweiter Baustreik begonnen

In Deutschland hat ein bundesweiter Baustreik begonnen

Diese Woche begann in Deutschland ein landesweiter Baustreik. Dies ist der erste Streik in der Branche seit 17 Jahren und der erste landesweite Streik seit 22 Jahren. Es begann am frühen Montagmorgen in Niedersachsen, als mehrere Bautrupps ihre Arbeit niederlegten. Bis Dienstagmorgen hatten sich Bauarbeiter in Osnabrück und Hannover-Langenhagen, Flensburg und Kiel, Jena und Mannheim dem Streik angeschlossen.

Streikende Bauarbeiter in Mannheim [Photo by IG BAU]

Die Industriegewerkschaft Bauen, Landwirtschaft und Umwelt (IG BAU) fordert eine monatliche Erhöhung des Tariflohns im Kernbereich Bau um 500 Euro. Dies war eine Reaktion auf den starken Druck der einfachen Bauarbeiter. Gleichzeitig tut sie ihr Möglichstes, um die Kontroverse unter Kontrolle zu halten. Robert Feiger, Chef der IG BAU, kündigte an: „Jetzt wird es einen Streik geben, und zwar einen großen Streik.“ Allerdings ordnete er keinen Vollstreik an, sondern lediglich regionale und sporadische „Punktstreiks“.

Grund für den Streik ist, dass sich die Bauunternehmer ab Ende April weigerten, den Schiedsspruch anzunehmen. Die IG BAU hätte diesen Schiedsspruch akzeptiert, obwohl er nicht ausreichte, um die unterdurchschnittlichen Tariflöhne zu decken, geschweige denn die Verluste durch die Inflation der letzten drei Jahre zu decken.

Der letzte Tarifvertrag für Bauarbeiter wurde im Herbst 2021 geschlossen, bevor die Inflation aufgrund der Kriegspolitik der Regierung und der Energiekrise explodierte. Der Deal endete am 31. März.

In den 33 Monaten von Juli 2021 bis März 2024 erhielten Bauarbeiter im Westen Deutschlands eine Lohnerhöhung von 6,2 Prozent und im Osten von 8,5 Prozent. Allerdings stiegen die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum um 14,7 Prozent. Eine Senkung der Reallöhne ist impliziert. Die Ungleichheit wird noch größer, wenn man bedenkt, dass Arbeitnehmer und alle Geringverdiener besonders anfällig für Preisexplosionen bei Gas, Heizung und Miete sind. Die Arbeiter tragen die volle Wucht der Kriegspolitik, der Energiekrise und der Inflation.

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Die Ungleichheit in der Baubranche bestätigt Professor Dr. Thorsten Schulten, Leiter Tarifpolitik bei der gewerkschaftlich geförderten Hans-Bachler-Stiftung. Ihm zufolge gehöre der Bausektor im Februar 2024 zu den „Branchen mit unterdurchschnittlichen Lohnsteigerungen“ und „muss eine erhebliche Nachfrage decken“. In diesem Sektor „datieren die zuletzt abgeschlossenen Tarifverträge aus einer Zeit vor deutlichen Anstiegen der Inflationsraten“, schrieb Schulten.